Hohe Laserleistung setzt Prozess- und Anwendungs-Know-how voraus
Während Fusionskraftwerke und Sekundärquellen hohe Pulsenergie und hohe mittlere Leistung bei hoher Effizienz und hohem Pulskontrast erfordern, brauchen industrielle Produktionsverfahren zuverlässige UKP- und cw-Laser mit hoher mittlerer Leistung und brillanter Strahlqualität bei moderaten Pulsenergien. Im Zusammenspiel mit neuartigen – teils KI-gestützten – Prozessstrategien sowie robusten Fasern, Optiken und Coatings sind diese Wegbereiter der effizienteren Laserbearbeitung. Gerade die Parallelisierung verspricht große Produktivitätszuwächse. Dafür wird der Strahl der Hochleistungsquelle in Dutzende unabhängig voneinander lenkbare Einzelstrahlen gesplittet. Um solche Multi-Beam-Ansätze umzusetzen, braucht es schnelle, präzise Strahllenksysteme. Hier kommt ein neuartiger, am Fraunhofer ILT entwickelter planarer Galvanometerscanner in Spiel, den das jüngste Spin-off des Instituts auf dem AKL’26 vorstellen wird. Das miniaturisierte System eignet sich besonders für Multi-Scanner-Systeme und arbeitet dabei deutlich schneller und präziser als bisher verfügbare Lösungen.
Zudem treibt des Fraunhofer ILT neue Beam-Shaping-Ansätze voran, um Strahlformen optimal an Bauteile und Bearbeitungsprozesse anpassen zu können. Unter anderem auf Basis von optischen neuronalen Netzen sind die Aachener in der Lage, nahezu beliebige dreidimensionale Strahlprofile oder auch optische Stempel zu realisieren. Hierbei fährt der Laserspot die Werkstücke nicht mehr in feinen Linien ab. Vielmehr strukturiert das Licht ganze Areale, was die Bearbeitung teils um ein Fünffaches beschleunigt. »Das Besondere am optischen Stempeln ist die Kombination aus Geschwindigkeit, Präzision und Flexibilität«, erklärt Sönke Vogel, Teamleiter 3D-Strukturabtrag am Fraunhofer ILT. Prinzipiell sei das UKP-Verfahren, bei dem ein Spatial Light Modulator (SLM) den Strahl zum optischen Stempel formt, für jegliche Anwendung geeignet, bei der periodische Mikrostrukturen benötigt werden – sei es in Metall, keramischen Hartstoffen oder Glas. Neben der Multi-Beam-Verfahren und dem Optischen Stempeln verfolgt das Aachener Institut weitere Ansätze, um die hohen mittleren Laserleistungen in eine produktivere Materialbearbeitung umzumünzen: Darunter präzise gesteuerte Pulsdauern, um den Energieeintrag und die Strahlintensität optimieren zu können oder das periodische Erzeugen von Laserstrahlsalven – so genannten Bursts – für einen hocheffizienten Materialabtrag bei minimierter thermischer Belastung der Werkstücke. Die winzigen Pausen zwischen den Bursts helfen zudem, entstehenden Rauch und abgetragenes Material effektiv abzusaugen, damit es sich bei der nächsten Salve nicht zwischen Laser und Werkstück legt.