Verhaltenes Wachstum im Lasermarkt
Der Technologie Business Tag eröffnet den Kongress traditionell mit mehreren Vorträgen zur Marktlage. Bei einem Wachstum von 14,5 Milliarden USD (2024) auf über 15,5 Milliarden USD (2025) erkennt Dr. Thierry Robin (TEMATYS) ein moderates Wachstum im Lasermarkt. Mit 4 Prozent Wachstum auf dem globalen Markt für Lasermaterialbearbeitungssysteme sieht Dr. Stefan Ruppik (Coherent) vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Laser und Lasersysteme für die Materialbearbeitung im VDMA eine ganz ähnliche Tendenz. Dr. Henrikki Pantsar (seinerzeit noch TRUMPF) wies darauf hin, dass in den USA die Investitionen der Automobilhersteller eingebrochen sind. Alternativ versprechen die hohen Ausgaben für neue Datenzentren jedoch wachsende Umsätze für die Laserhersteller.
Mit Spannung wurde der Vortrag von Dr. Bo Gu (BOS Photonics) zum chinesischen Lasermarkt erwartet. Dort gibt es nach wie vor solides Wachstum, was sich auch in den dortigen Messen zeigt: Die LASER Shanghai, so Gu, erreichte im März mit 1.500 Ausstellern und 58.000 Besuchern neue Rekorde. Im chinesischen Markt für Lasermaterialbearbeitungssysteme rechnet er für 2025 und 2026 mit je 6 bis 7 Prozent Wachstum. Der Faserlasermarkt ist um 9,8 Prozent gewachsen, bei Lasern mit ultrakurzen Pulsen (UKP) sogar um 14,7 Prozent.
Gus Angaben zum Marktanteil chinesischer Hersteller in ihrem Heimatmarkt ließen allerdings aufmerken: Bei Lasern mit 3 bis 6 kW Leistung liegt dieser bei 98 Prozent, bei >10 kW bei etwa 80 Prozent. Somit ist der chinesische Lasermarkt fest in inländischer Hand.
Photonik als Querschnittstechnologie
Wenn der Umsatz bei laserbasierten Werkzeugmaschinen meist auf zwischen 10 und 20 Milliarden Euro geschätzt wird, liegt der Markt der vom Laser ermöglichten Produkte im Billionen-Bereich. Kein Smartphone, kein Computerchip und kaum ein Auto entstehen heute ohne den Einsatz von Lasertechnik. Die Photonik ist die Querschnittstechnologie, die mit Hilfe von Lasern, optischen Komponenten und komplexen Verfahren die Fortschritte in diesen Bereichen ermöglicht.
In der Gerd Herziger Session des AKL’26 wurden unter der Überschrift »New Perspectives for Lasers in Science and Industry« Trends bei der Anwendung photonischer Technologien diskutiert. Trevor Ness (IPG Photonics) hatte dabei eine klare Vision: » Der Laser wird integriert, skalierbar und intelligent«. Roboter werden mit Lasern erhebliche Produktivitätsgewinne realisieren und auch dort arbeiten, wo Menschen es nicht können.
Die photonischen Komponenten und Technologien dafür werden heute entwickelt. Sie sind stärker digitalisiert und bieten immer höhere Leistungen. »Die mittlere Leistung von UKP-Lasern«, sagt Dr. Jochen Stollenwerk, kommissarischer Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen »stößt mit den Entwicklungen im Fraunhofer Cluster of Excellence Advanced Photon Sources – CAPS in den zweistelligen Kilowatt- (kW)-Bereich vor«. Bei Dauerstrahllasern sind es inzwischen sogar über 100 kW, wie von Vertretern verschiedener Firmen zu hören war.
Einen Blick über diese Grenzen hinaus warf Prof. Constantin Häfner, Fraunhofer Vorstand für Forschung und Transfer. Sein Thema sind Fusionskraftwerke und wie sie sich in Deutschland realisieren lassen. Sie würden auch den Lasermarkt erheblich verändern: Schon die Kosten der Laserdioden für wenige Fusionskraftwerke lägen über dem Volumen des derzeitigen Lasermarktes, so Häfner. Was in erster Linie bedeutet, dass zukünftig die Komponentenkosten erheblich sinken müssen.
Laser im Energiesektor
Mit dem Aktionsplan Fusion hat die deutsche Regierung nicht nur mehr als zwei Milliarden Euro für die Fusionsforschung angekündigt, sondern auch das Vorhaben fixiert, in Deutschland das weltweit erste Fusionskraftwerk zu bauen. In seinem Plenarvortrag ging Constantin Häfner auf die Bedeutung der entstehenden Fusionsökosysteme für die Zukunft der Fusionsforschung in Deutschland ein: Die Bündelung der nationalen Kompetenzen von Wissenschaft bis Industrie zur gemeinsamen Zielerreichung.
Die komplexen technologischen Herausausforderungen bieten enormes Potential für die Erschließung von Spinoff-Märkten und Wachstum im Photonik-Markt von industriellen Trockenprozessen über Weltraum-Anwendung bis hin zum Verteidigungssektor.
Das Thema Fusionsforschung wurde entsprechend in einer ganzen Session am AKL´26 vertieft. Unter anderem stellte Prof. Markus Roth (TU Darmstadt, Focused Energy) dort seine Pläne für eine Laserfusionsanlage am Standort Biblis vor.
»Normale« Hochleistungslaser sind schon heute im Kraftwerksbau präsent: »Der Energiesektor ist eines der ersten Einsatzgebiete für Lasersysteme mit über 50kW Leistung«, konstatiert Dr. Alexander Olowinsky, Abteilungsleiter Fügen und Trennen am Fraunhofer ILT. Mit solchen Laserleistungen lassen sich dicke Stahlwände beim Rückbau von Kernkraftwerken trennen oder auch Türen in Windkraftanlagen schneiden. Genauso können neue Behälter mit dezimeterstarken Wänden damit geschweißt werden.
Besucher des Kongresses konnten ein 50 kW-System im Rahmen der Veranstaltung »Lasertechnik Live« am 23. April 2026 im Fraunhofer ILT, dem größten FuE-Laseranlagenpark Europas, besichtigen.
Automobiltechnik auf dem Weg zur autonomen Fertigung
Die Herstellung von Automobilen ist inzwischen hochgradig automatisiert. Laser als digitale Werkzeuge spielen hier ihre Vorteile voll aus. In seinem Vortrag »Next-generation battery production and challenges for laser technology« zeigte Dr. Andreas Russ (Bosch Manufacturing Solutions), was heute möglich ist. Verglichen mit 2015 haben sich sowohl die Batterie- als auch die Maschinengrößen vervielfacht. Gleichzeitig werden die Maschinen immer intelligenter. Dabei ist die Produktionslinie vernetzt, nutzt digitale Zwillinge und kann auf der Basis von Simulationen autonom entscheiden.
Bei Markus Harke (Volkswagen) konnte man sehen, wie ein deutsches Verfahren buchstäblich die Welt verändert. Mit dem am Fraunhofer ILT entwickelten »High-speed laser cladding« werden dort Bremsscheiben hergestellt, die 90 Prozent weniger Feinstaub erzeugen. Das schont nicht nur die Umwelt, es erfüllt auch die Euro-7-Norm. Und es ermöglicht eine weitgehend automatisierte Herstellung, die jetzt ihren Siegeszug um die Welt antritt. »Bei den hohen Stückzahlen ist der Laser nicht mehr der Kostentreiber«, kommentiert Dr. Thomas Schopphoven, Abteilungsleiter Laserauftragschweißen am Fraunhofer ILT. »Es sind vor allem die Materialkosten für die Zusatzwerkstoffe.«
Laser in der Luftfahrt sparen Kosten und Emissionen
Bis zu 3 Prozent Kraftstoffeinsparung bei Flugzeugen – das verspricht die Haifischhaut der 4Jet GmbH aus Alsdorf bei Aachen. Die mit dem »Innovation Award Laser Technology 2026« ausgezeichnete Technologie ermöglicht die großflächige Mikrobearbeitung mit einem CO2 Laser. Sie nutzt Interferenzstrukturen zur Bearbeitung, so dass über 1.000 »Riblets« mit einem Mal erzeugt werden können. So werden auf großen Flächen Mikrostrukturen eingebracht, die den Luftwiderstand reduzieren. Mehr als 800 Systeme hat die Firma inzwischen im Feld, gebraucht werden sie in der Luftfahrt, im Halbleiter- und Solarbereich.
Daneben sind viele Laserprozesse speziell beim Laserauftragschweißen in der Praxis angekommen. Firmen wie Rolls Royce setzen die Verfahren in der Reparatur von Triebwerken erfolgreich ein und verfeinern sie immer weiter.