Bipolarplatten und Power-to-X
Neben der Membran-Elektroden-Einheit beeinflusst auch die Bipolarplatte Leistung, Lebensdauer und Kosten einer Brennstoffzelle. Das Fraunhofer ILT entwickelt deshalb Laserprozesse für mehrere Schritte ihrer Fertigung, vom Strukturieren und Beschichten über das Schneiden bis zum wasserstoffdichten Schweißen.
Wie sich neue Werkstoffe und Laserprozesse verbinden lassen, zeigt das Forschungsprojekt HyCoFC. Dort entstehen großformatige Hybrid-Compound-Bipolarplatten für Brennstoffzellen, die unter anderem für den Einsatz in Schwerlastfahrzeugen vorgesehen sind. Die Platten kombinieren eine metallische Trägerfolie mit einer leitfähigen Compound-Folie.
Das Fraunhofer ILT entwickelt laserbasierte Prozesse zum Strukturieren, zum selektiven Abtragen einzelner Materialschichten und zum Fügen der unterschiedlichen Werkstoffe. Die präzise und lokal begrenzte Bearbeitung ermöglicht es, die Eigenschaften der Hybridplatte gezielt anzupassen, ohne angrenzende Materialschichten unnötig zu beeinflussen.
Eine weitere Möglichkeit, die Fertigung metallischer Bipolarplatten zu beschleunigen, bietet das Doppelstrahlschweißen. Dabei kommen zwei Laserstrahlen gleichzeitig zum Einsatz. Für eine typische Bipolarplattenkontur lässt sich die Bearbeitungszeit damit von etwa 4,6 auf 2,4 Sekunden reduzieren. Im Überlappungsbereich der beiden Scanfelder können beide Strahlen auf dieselbe Stelle wirken und so die Schmelzbaddynamik gezielt beeinflussen. Dadurch lassen sich höhere Schweißgeschwindigkeiten erreichen und typische Fehler wie Humping vermeiden, ohne die Qualität der Schweißnaht zu beeinträchtigen.
Viele dieser Verfahren lassen sich im Hydrogen Lab des Fraunhofer ILT nicht nur einzeln untersuchen, sondern zu ganzen Fertigungsketten verbinden. Auf rund 300 Quadratmetern stehen dafür lasertechnische Versuchsanlagen und Prüfstände bereit. Forschende und Unternehmen können dort einzelne Prozessschritte ebenso testen wie das Zusammenspiel mehrerer Verfahren unter realistischen Bedingungen.
Wasserstoff dient aber nicht nur als Energieträger für Brennstoffzellen oder als Speichermedium. Er ist zugleich Ausgangsstoff für weitere Energieträger und chemische Produkte. Auch für solche Power-to-X-Anwendungen entwickelt das Fraunhofer ILT laserbasierte Fertigungsverfahren für Komponenten und Systeme, die hohen thermischen, chemischen oder mechanischen Belastungen standhalten müssen.
»Auf der Messe möchten wir vor allem mit Unternehmen darüber ins Gespräch kommen, an welchen Stellen ihrer Prozessketten Lasertechnologie einen konkreten Mehrwert bieten kann«, erklärt Matthias Laermann, der am Fraunhofer ILT für das Hydrogen Lab verantwortlich ist. »Dabei geht es nicht nur um einen einzelnen Prozess. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir Lösungen weiter und behalten dabei immer den Weg in die industrielle Fertigung im Blick.«
Das Fraunhofer ILT präsentiert seine Arbeiten vom 20. bis 22. Oktober 2026 auf der Hydrogen Technology World Expo in Hamburg. Besucherinnen und Besucher finden das Team in Halle B5, Stand F44.